Dienstag der 24. August 2010, circa 8 Uhr 30 Ortszeit, Landeanflug auf Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch. Mein erster Gedanke noch im Flugzeug: 'Wahnsinn, ich lande tatsächlich in einer völlig anderen Welt!' Schon vom Flieger aus sieht man überschwemmte Flächen und Reisfelder, saftig grüne Felder, Palmen und in weiter Entfernung heruntergekommene Fassaden von Hochhäusern, die sich leicht der angesteuerten Mega-Metropole zuordnen lassen.
Nach der Landung werden wir sieben Freiwillige von NETZ Bangladesch, unserer Entsendeorganisation, sehr freundlich von Sharmin, unserer Ansprechparterin bei NETZ und Feli, einer Freiwilligen, die schon länger im Land ist, in Empfang genommen. Mit einem Bus sollen wir vom Flughafen nach Dhanmondi, einem der schickeren Stadtteile von Dhaka, gebracht werden. Dort werden wir unseren ersten Monat in Bangladesch alle zusammen untergebracht sein, Dhaka kennen lernen, einen Sprachkurs besuchen und gemeinsam gegen den Kulturschock kämpfen.
Der erste Schritt aus dem Flughafen heraus hat es aber gleich in sich: bestimmt 35° im Schatten und eine gefühlte Luftfeuchtigkeit von 90 %! Der erste Schlag ins Gesicht sitzt - K.O. geht zum Glück noch keiner! Gleichzeitig fällt der Blick auf einen Zaun, der den Eingangsbereich des Flughafens von der Außenwelt abschirmt. Dahinter warten hunderte Menschen in der prallen Sonne auf Angehörige, auf Kundschaft oder auch auf milde Gaben von den ankommenden Reisenden. Ein skurriler Anblick.
Schnell die Koffer in den wartenden Bus mit Klimaanlage verstaut und los geht’s. „Feli, wie weit ist es denn eigentlich vom Flughafen zur Wohnung?“ Feli: „Och, nicht so weit. Wenn der Verkehr mitspielt sind's so 20 Minuten.“ Er spielt nicht mit und so sind wir geschlagene 2 Stunden unterwegs! Ein Umstand an den man sich in Dhaka wohl gewöhnen muss. Verbeulte Busse, Autos und Rikschas scheinen sich in völligem Chaos und unter pausenlosem Gehupe ihre Wege zu bahnen, sodass man erstaunt ist, überhaupt und auch noch unversehrt an seinem Ziel anzukommen. Wenn auch Stunden später als geplant.
Der Stau bringt allerdings gleich die ersten bedrückenden Erlebnisse mit sich: Während wir uns langsam unseren Weg bahnen, klopfen unentwegt Bettler, oft Alte oder Behinderte und Mütter mit Kleinkindern an die Scheiben und flehen nach etwas zu Essen oder Geld. Ein Gefühl von Unbehagen macht sich spürbar in der gesamten Gruppe breit. Sharmin, Feli und unser Fahrer reagieren dagegen deutlich souveräner. Immerhin sind sie diese Situation gewohnt, denn das Betteln ist für tausende Menschen in Dhaka die einzige Chance an ihre tägliche Schüssel Reis zu kommen. Sie geben uns Ratschläge, wie man in solchen Situationen reagieren kann und sollte. Natürlich kann man nicht jedem Bettler etwas geben, aber es ist schon sehr bezeichnend und macht mich fast ein wenig traurig, dass meine ersten Worte auf Bangla „maph koren“ sind, was soviel wie „Es tut mir leid, ich kann dir nichts geben“ bedeutet.
Mir wird auf einmal sehr bewusst, wie schwer es werden wird, all der Armut und den schweren Schicksalen, mit denen die Menschen Tag für Tag konfrontiert sind, zu begegnen und sich gleichzeitig damit zu arrangieren, selber Privilegien zu genießen, die für diese Menschen schier unvorstellbar sind. ...denke ich mir und falle vor Erschöpfung nach der anstrengenden Reise fast in den Schlaf, was nur durch die langsam unangenehm werdende Kälte der Klimaanlage verhindert wird.
Bevor wir nach der anstrengenden Reise endlich in unserem neuen Zuhause ankommen, hat die Fahrt noch eine weitere Lehre parat. Völlig benebelt von der langen Reise und der neuen Umgebung sitze ich links auf dem Beifahrersitz unseres Shuttles und schaue verträumt in vorbeifahrende Autos. Mein Blick fällt auf die Rückbank eines Wagens, auf dem sich 5 Kinder tummeln. Auf einmal erblickt mich eines von ihnen, ein vielleicht 6-jähriges Mädchen, und ist total aufgeregt. Mit weit aufgerissenen Augen ruft sie den anderen etwas zu und zeigt mit dem Finger auf unser Auto. Es dauert keine zwei Sekunden, da kleben vier weitere Kinderaugenpaare an der Scheibe und schauen aufgeregt in den Bus gegenüber, der scheinbar mit Aliens gefüllt ist und einem Ufo gleicht. Ausländer sind in Bangladesch unglaublich selten, wodurch sich für uns teilweise absurde Situationen ergeben. Davon werde ich aber erst in meinem nächsten Blogeintrag mehr berichten...
Hier noch einige erste Bilder, in Zukunft werde ich mehr Wert auf zum Text passende Motive legen.
Gewusel auf dem New Market in Dhaka
Na, wer findet den Grund, warum ich dieses Bild hochgeladen habe?
Impressionen während einer Autofahrt
Auch Rikschawlas brauchen mal eine Pause
Ja, das ist tatsächlich der Ausblick vom Dach unseres Hauses. Und das ist noch der unspektakulärste Blickwinkel. Alle anderen Bilder waren mir einfach zu unangenehm.




